Wo, wenn nicht in der Gemeinschaft vor Ort, soll Politik zum solidarischen Zusammenhalt der verschiedenen Bevölkerungsgruppen beitragen. Dort entscheiden die Menschen selbst, welche Hilfen, Dienstleistungen und Beratungsangebote für die Bevölkerung zur Verfügung stehen. Umso wichtiger ist es, dass die Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker klare Vorstellungen davon haben, wie das soziale Miteinander aussehen soll. Für die Vertreterinnen und Vertreter des SSW ist klar: Wir wollen eine solidarische Gemeinschaft, in der die stärksten Schultern die größten Lasten tragen. 5.1. Den Schwächeren helfen Gerade in knappen Zeiten ist es besonders wichtig, dass die Solidarität der Menschen nicht verloren geht. Die notwendigen kommunalen Einsparungen dürfen nicht einseitig zu Lasten derjenigen Menschen gehen, die arbeitslos sind, in soziale Not geraten oder durch ihre Lebensumstände benachteiligt sind. Die Kommunalpolitik muss sich beständig fragen, ob sie genug und das Richtige für jene Mitmenschen tut, die nicht stark genug sind, um ihre Interessen allein durchzusetzen.
Die Sicherstellung von guten Rahmenbedingungen für Kinder, Jugendliche und für ihre Familien gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Kommunalpolitik. Ein gute Kinder- und Jugendpolitik sichert die Chancengleichheit und eine gesunde Entwicklung der Jüngsten in der Gemeinschaft. Sie ist notwendig, damit die Eltern Kinder und Erwerbstätigkeit unter einen Hut bekommen können. Und eine gut ausgestattete und wache Kinder- und Jugendhilfe ist auch der beste Weg, um die Kleinsten vor Gewalt und Vernachlässigung zu schützen. In den letzten Jahren sind aber vielerorts Versuche unternommen worden, die Standards in diesem Bereich zu verschlechtern und Zuschüsse an Jugendverbände und Angebote der freien Kinder- und Jugendarbeit zu kürzen, weil dadurch Kosten gespart werden können. Dies schadet nicht nur den Kindern und Jugendlichen, es ist auch finanziell viel zu kurzfristig gedacht, weil es längerfristig zu hohen Kosten in der Kriminalitätsbekämpfung oder bei sozialen Hilfen führt. Der SSW lehnt deshalb Kürzungen bei der Kinder- und Jugendhilfe kategorisch ab.
Zur sozialen Gerechtigkeit gehört vor allem ein Bildungswesen, das den Kindern gleiche Startchancen ins Leben bietet. Leider hat das deutsche Schulwesen mit seiner frühen Sortierung nach der 4. Klasse die soziale Ungleichheit durch viele Jahrzehnte verstärkt. Dies ist einer der Gründe, weshalb wir uns dafür einsetzen, vor Ort Gemeinschaftsschulen und mehr Ganztagsangebote einzurichten. Bildung ist aber längst nicht mehr nur eine Sache für Kinder und junge Menschen. Heute ist es entscheidend, dass die Menschen sich auch nach einer abgeschlossenen Ausbildung weiter bilden. Denn Bildung ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und die beste Investition in ein glückliches, selbst bestimmtes Leben. Für den SSW ist daher die Möglichkeit lebenslangen Lernens das Kernstück einer modernen Bildungspolitik. Dabei ist in den letzten Jahren die Einsicht gewachsen, dass für unsere Region eine besondere Chance darin liegt, grenzüberschreitend zu denken. Die Nähe zu den Bildungseinrichtungen und zum Arbeitsmarkt im südlichen Dänemark eröffnen den jungen Menschen in unserer Region neue Perspektiven, die ihre Chancen zusätzlich verbessern können.
In den letzten Jahrzehnten sind Menschen zu uns eingewandert, die heute noch in vielerlei Hinsicht ausgegrenzt und benachteiligt sind. Wir müssen endlich die sozialen und kulturellen Barrieren überwinden, vor denen viele hier lebende Einwanderer und ihre Nachfahren schon kapituliert haben. Ob es um Bildung, Jugendhilfe, Ausbildung, Arbeitswelt, Gesundheit, soziale Dienste oder Kulturpolitik geht: In all diesen Bereichen brauchen wir stärkere Anstrengungen und Angebote für die Einwandererfamilien, denn die Eingliederung in das Leben vor Ort entscheidet über das Gelingen der Integration. Die Verwaltungen der Kreise und Gemeinden sind die zentrale Schnittstelle zwischen „alten“ und „neuen“ Einwohnern, zwischen ihren Sprachen und Kulturen. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich professionell, kompetent und verständnisvoll um die Belange der Zuwanderer kümmern.
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