Die Geschwindigkeit, mit der der Klimawandel voranschreitet, ist vom
Menschen verursacht. Die Verantwortung, etwas zu verändern, fängt bei
jedem selbst an. Potentiale hierfür gibt es genug. Geredet wurde bisher
viel, aber die entsprechenden Aktivitäten werden nur sehr schleppend
umgesetzt.
4.1. Schleswig-Holstein CO2-neutral gestalten
Der
bisherige Klimaschutzplan für Schleswig-Holstein ist nicht ambitioniert
genug. Wenn die Ziele zur Verringerung des Treibhausgases CO2 wirklich
erreicht werden sollen, dann müssen das Land und die Kommunen ihre
vielfältigen Einzelmaßnahmen durch eine gemeinsame Gesamtplanung über
mehrere Jahrzehnte hinweg ersetzen.
In der deutsch-dänischen
Grenzregion gibt es bereits Planungen, die als Vorbild für ganz
Schleswig-Holstein dienen können. Die dänische Großgemeinde Sønderborg
hat sich mit dem „Project Zero“ das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030
völlig CO2-neutral zu sein. Die Stadt Flensburg hat sich unter der
Leitung des renommierten Klimaforschers Prof. Olav Hohmeyer
vorgenommen, mit dem „Klimapakt für Flensburg“ bis 2050 ähnliche Ziele
zu erreichen. In Nordfriesland ist die Wiedingharde eine Modellregion
für die erneuerbaren Energien. Diese Vorarbeiten müssen für das ganze
Land genutzt werden.
- Das Land muss gemeinsam mit den Kreisen, den kreisfreien Städten und den Gemeinden einen landesweiten Klimapakt aushandeln, der konkrete, erreichbare Schritte für ein CO2-neutrales Schleswig-Holstein im Jahr 2050 benennt.
4.2. Erneuerbare Energien fördern
Wer es mit dem
Klimaschutz ernst meint, muss in den nächsten Jahren den Ausbau der
erneuerbaren Energien in Schleswig-Holstein massiv unterstützen. Obwohl
der Anteil der Windenergie an der gesamten Stromproduktion in den
letzten Jahren stark gestiegen ist, gibt es noch weitere Potenziale.
Auch andere erneuerbare Energien müssen verstärkt in Schleswig-Holstein
gefördert werden.
- Die Windenergie muss weiter ausgebaut werden. In der
Nord- und Ostsee gibt es noch weitere gute Standorte für große
Offshore-Windparks. Aber auch an Land gibt es noch geeignete Standorte,
die bislang nicht genutzt werden dürfen. Deshalb setzt der SSW sich
dafür ein, dass die Landesplanung eine Ausweitung der
Windenergieflächen zulässt.
- Der Ausbau der Stromleitungen
in den windreichen Gebieten des Landes muss be¬schleu-nigt werden. Die
unzureichenden Netzkapazitäten sind eine massive Investitions¬bremse
und kosten die Kommunen zudem Steuereinnahmen in Millionenhöhe. Die
dringend benötigte Hauptstromleitung zwischen Breklum und Flensburg
muss als Erdkabel gebaut werden.
- Erneuerbare Energien
müssen allgemein stärker gefördert werden, damit sie für jedermann eine
bezahlbare Alternative sind. Nachdem die Windenergie sich längst zu
einer der wichtigsten Energiequellen unseres Landes entwickelt hat,
müssen andere Formen wie Solarstrom, solarthermische Anlagen und
Geothermie stärker in den Vordergrund rücken. Neben Bürgerwindparks
sind auch Solaranlagen in Bürgerhand eine zukunftsträchtige
Alternative, weil sie Einkommen in der Region schaffen.
- Investitionsprogramme für Energieeinsparmaßnahmen sollen die umweltverträglichste Art, die CO2-Emissionen zu reduzieren, fördern.
- Die dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien muss ausgebaut werden. Wo es irgend möglich ist, müssen Kraftwerke die Kraft-Wärme-Kopplung nutzen, bei der die Abwärme von der Stromproduktion für die Beheizung von Gebäuden genutzt wird.
4.3. CO2-Endlager verhindern
Die Diskussion um die
geplanten CO2-Endlager im Norden hat zu Recht zu massiven Protesten der
Bevölkerung vor Ort geführt. Obwohl die Pläne erst einmal verschoben
worden sind, halten die Energiekonzerne weiterhin daran fest und werden
dabei immer noch von den maßgeblichen Politikern der CDU, der SPD und
der FDP unterstützt.
Der SSW lehnt die so genannte
CCS-Technologie ab. Sie ist nicht nur mit Risiken für Mensch und Natur
an den Endlagerstandorten und entlang der CO2-Pipelines verbunden. Die
CO2-Endlagerung würde dazu beitragen, die Laufzeit der Kohleenergie zu
verlängern. Sie dient als Legitimation für den Bau neuer
Kohlekraftwerke, weil diese ja angeblich „CO2-neutral“ wären. Durch die
milliardenschwere Förderung der teuren CCS-Technologie werden zudem
Gelder gebunden, die in die Forschung von regenerativen Energieformen
investiert werden könnten.
- Ein CO2-Endlager in Schleswig-Holstein muss konsequent
und dauerhaft verhindert werden. Wir werden weiterhin im Landtag
entsprechende Initiativen einbringen.
- Der SSW wird auch künftig Bürgerinitiativen vor Ort in ihrem demokratischen Widerstand gegen die Endlager unterstützen.
4.4. Energiepolitik in die öffentliche Hand nehmen
Die
Energieversorgung ist Teil der kommunalen Daseinsvorsorge, das heißt,
sie sichert grundlegende Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger.
Deshalb sollte sie in der öffentlichen Hand sein. Eine regionale
Energieversorgung macht die Verbraucher unabhängiger von den
Profitinteressen der großen Energiekonzerne und ermöglicht eine
regionale und lokale Energie- und Umweltpolitik. Außerdem schafft sie
Arbeitsplätze in der Region und sorgt dafür, dass der finanzielle
Gewinn aus der Energieproduktion den Menschen vor Ort zugute kommt.
- Die regionale Energieversorgung in Schleswig-Holstein muss rekommunalisiert werden.
Im Moment laufen vielerorts die Konzessionsverträge mit der E.ON Hanse
aus. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass die Kommunen die lokalen
Stromnetze selbst übernehmen oder in Zusammenarbeit mit öffentlichen
Anbietern, wie den regionalen Stadtwerken, betreiben.
- Die stärkere regionale Zusammenarbeit
in der Energieversorgung ist eine Chance, neue Arbeitsplätze zu
schaffen und den finanziellen Gewinn in dezentrale Energieversorgung,
in regenerative Energien und in Maßnahmen zur Energieeinsparung zu
investieren.
4.5. Ausstieg aus der Kohlekraft festlegen
Realistisch
gesehen kann die Energieversorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft
in den nächsten Jahren noch nicht ohne die fossilen Energiequellen Öl,
Kohle und Gas auskom¬men. Für eine Übergangszeit müssen wir einen
Energiemix nutzen, der so weit wie möglich auf klimaschädliche
Technologien verzichtet: Der Grundbedarf soll dezentral und aus
regenerativen Energieformen gedeckt werden; nur die zeitlich begrenzten
„Energiespitzen“ sollen durch herkömmliche Energieträger gesichert
werden. Da die Atomkraft ein noch größeres Risiko darstellt, führt
aktuell kein Weg an Kohlestrom oder Energie aus Gas-kraftwerken vorbei.
Vor diesem Hintergrund halten wir es für vertretbar, für eine klar
definier-te Übergangsperiode alte Kohlekraftwerke durch neue,
emissionsärmere auszutauschen. Voraussetzung hierfür ist allerdings,
dass die Politik sich mit den Energiekonzernen auf ein konkretes
Ausstiegsszenario verständigt, wie es beim Atomkompromiss beschlossen
wurde.
- Ein neues Kohlekraftwerk in Schleswig-Holstein ist nur
dann vertretbar, wenn gleichzeitig ein oder mehrere alte
Kohlekraftwerke umgehend und dauerhaft abgeschaltet werden.
- Der SSW fordert analog zum Atomausstieg einen Kohlekompromiss.
Die Politik und die Kraftwerksbetreiber müssen ein konkretes,
unumkehrbares Ausstiegszenario vereinbaren, das vorgibt, wann in
Deutschland das letzte Kohlekraftwerk ausgeschaltet wird. Nur so haben
die Energiekonzerne auch einen Anreiz, stärker auf klimafreundliche
Technologien umzusteigen.
- Bedingung für den Bau der letzten neuen Kohlekraftwerke muss sein, dass die Abwärme genutzt wird. Der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung
ist die leichteste Maßnahme, um die Energieeffizienz zu maximieren.
Deshalb kommen für neue Kohlekraftwerke auch nur Stand-orte in Frage,
die große Mengen Prozesswärme abnehmen können.
4.6. Atomkraftwerke so schnell wie möglich abschalten
Der
Atomkompromiss muss aus guten Gründen eine Einbahnstraße bleiben. Es
darf keinen Weg zurück beim Atomausstieg geben. Technische Mängel,
menschliche Fehler, die reine Profitorientierung der
Kraftwerksbetreiber und die ungeklärte Frage der Endlagerung des
radioaktiven Abfalls machen die Nutzung der lebensgefährlichen
Atomtechnologie zu einem unvertretbaren Risiko. Deshalb ist sie auch
keine brauchbare Lösung der Klimaprobleme.
- Am Atomausstieg darf kein Millimeter gerüttelt werden;
wir lehnen eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken
kategorisch ab. 2023 muss der letzte Atommeiler in Deutschland vom Netz
gehen.
- Alte, pannenanfällige Atomkraftwerke müssen sofort abgeschaltet
werden – darunter das AKW Krümmel in Geesthacht. Die im Atomkompromiss
festgeschriebenen Laufzeiten dieser Reaktoren dürfen nicht auf andere
alte Atomanlagen übertragen werden.
- Das Atomgesetz muss so geändert werden, dass Kraftwerksbetreibern künftig leichter die Erlaubnis zum Betrieb von Atomkraftwerken entzogen werden kann, wenn sie keinen störungsfreien Betrieb in ihren AKWs gewährleisten.
4.7. Küstenschutz intensivieren
Selbst wenn die
Menschheit von heute auf morgen völlig CO2-neutral leben würde, könnten
wir die Erwärmung des Erdklimas nicht mehr rückgängig machen. Das Eis
am Nord- und Südpol schmilzt bereits und in den nächsten Jahrzehnten
wird der Meeresspiegel unaufhaltbar ansteigen. Deshalb muss sich
Schleswig-Holstein als das Land zwischen den Meeren schon jetzt auf die
Folgen des Klimawandels einstellen. Insbesondere an der Nordsee aber
auch in einigen Gebieten der Ostsee müssen die Küstenschutzmaßnahmen in
den nächsten Jahren intensiviert und die Deiche stetig gesichert und
ausgebaut werden.
- Die Investitionen in den Küstenschutz des Landes müssen nachhaltig erhöht werden. Alternative Küstenschutzmethoden müssen fortlaufend erforscht werden.
- Das Landesnaturschutzgesetz muss
geändert werden, damit für jede Küstenschutz-maßnahme nicht zwingend
teure Naturschutzausgleichmaßnahmen vorgenommen werden müssen. Dadurch
wird der Küstenschutz unnötig verteuert und dringend notwendige
Investitionen für den Schutz der Küstenbewohner verhindert.
4.8. Umweltschutz mit den Menschen machen
Der SSW setzt
sich für einen modernen Umwelt- und Naturschutz ein, der die Menschen
vor Ort mit einbezieht. Im Sinne des Klimaschutzes und der Agenda 21
muss nachhaltig mit unserem Lebensgrundlagen umgegangen werden.
- Die Große Koalition hat im schleswig-holsteinischen Naturschutzrecht wie
ein wildgewordener Holzfäller gewütet. Wir lehnen Verschlechterungen
des Umwelt- und Naturschutzes ab, die angeblich der Entbürokratisierung
dienen.
- Der Waldanteil in Schleswig-Holstein muss erhöht werden; wir lehnen eine Privatisierung der Landeswälder ab.
- Die Regionalvermarktung von
landwirtschaftlichen Produkten muss verbessert werden, damit die
hiesige Landwirtschaft bessere Wettbewerbschancen bekommt und lange
Transportwege entfallen.
- Der Öko-Landbau muss
verstärkt gefördert werden, weil diese Produktionsweise die Umwelt
nachhaltig schont. Gentechnikfreie Regionen müssen besonders gefördert
werden.
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